Männer sind bodenständig und reagieren auf Veränderungen äußerst sensibel, besonders, wenn es ihre Essgewohnheiten betrifft! Frauen hingegen sind sehr experimentierfreudig, gerade was das Essen betrifft. Daraus kann schon mal ein Interessenkonflikt werden, besonders wenn die eigene Freundin eine vegetarische Phase bekommt. Kleiner Einwurf: ich finde solche Neigungen sollte man schon beim Online-Dating bekannt geben! In Bestimmten Regionen hat man einfach andere Essgewohnkeiten. Z. B. Singles in Bochum können ohne Curry-Wurst nicht leben, so wie Singles in Dortmund auch.

Eines Abends sahen wir uns eine Dokumentation über eine Tierschutzorganisation und ihre Aktionen an. Unter anderem prangerten sie die Käfighaltung von Hennen an. Sie haben ja auch Recht. Das ist nicht allzu schön. Ich würde meine Unterschrift auch unter eine entsprechende Petition setzen. Aber deswegen gleich den Entschluss zu fassen, kein Fleisch mehr zu essen? Naja, ich nahm ihren Entschluss erstmal nicht so ernst und verbuchte das unter weiblicher Laune.

Als wir am nächsten Morgen so einträchtig beim Frühstück saßen, schaute sie mich leicht angewidert an, als ich mir eine Scheibe Salami auf mein Toast legt und genüsslich hinein biss. Ihren Blick registrierte ich erst, nachdem sie mich ziemlich eindringlich ansah. Und es traf mich fast wie ein Schlag: Lola meinte es Ernst! Anscheinend begann ihre vegetarische Phase schon jetzt. Was das aber für mich genau bedeuteten sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Während der nächsten Woche bemerkte ich aber, dass sich die Fleisch- und Wurstvorräte in unserem Kühlschrank bedrohlich dem Ende neigten. Und da ich nun mal gerne Fleisch esse, fragte ich Lola, warum sie das denn nicht mehr kaufte. Ihr angewiderter Blick brauchte keine Worte. Um dieser Situation ein möglichst schnelles Ende zu setzen – ich sah mich in Gedanken schon Tofu essen! – machte ich während eines Stadtbummels einen Abstecher zu Burger King, ganz selbstverständlich. Da machten wir schließlich öfter. Lola blieb draußen mit verschränkten Armen stehen. Als ich wieder zu ihr stieß mit meinem Cheeseburger in der Hand, lief ihr sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen! Sie liebte Cheeseburger! Sie konnte fast gar nicht weg sehen und ich aß extra langsam und genüsslich. Als der Burger sich dem Ende neigte, griff sie wie eine gierige, ausgehungerte Raubkatze blitzschnell nach meinem Burger und aß den letzten Rest auf. Ich wusste gar nicht, dass so viel in ihren Mund passt!

Damit war auch die vegetarische Phase überstanden :-)